5-Punkte-Plan des hochschulpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion M-V
Die SPD-Landtagsfraktion hat am 14. Januar 2005 im Technologiepark Rostock-Warnemünde mit Experten Fragen zur „Zukunft der Hochschullandschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020“ diskutiert. In seinem Redebeitrag erläuterte der Sprecher für Hochschulpolitik der SPD-Landtagsfraktion, Mathias Brodkorb, u. a. Kriterien für eine Hochschulreform und stellte erste Maßnahmen für eine Hochschulpolitikin der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts vor:
Kriterien für eine Hochschulreform
1. Jedes Fach, das heute in M-V vertreten ist, sollte auch in Zukunft mindestens einmal und dann auf vernünftigem Ausstattungsniveau bestehen bleiben. Im Interesse einer großen wissenschaftlichen Vielfalt sollte jedes Bundesland ein möglichst vollständiges Wissenschaftssystem anstreben. Das heißt: Konzentration von Fächern und Vermeidung von Dubletten.2. Die Frage, wie häufig und an welchem Standort die Fächer positioniert werden sollten, ist in Abhängigkeit von den Studierendenströmen sowie der kulturellen und ökonomischen Passgenauigkeit der Angebote in den Regionen zu beantworten. 3. Wie oft und in welchem Umfang ein Fach in Mecklenburg-Vorpommern vertreten sein sollte, ist aber auch vom regionalen Arbeitskräftebedarf sowie von Auslastungsgraden abhängig zu machen. 4. Schließlich müssen völlig unabhängig von diesen Kriterien auch Entscheidungen möglich sein, die allein aufgrund von wissenschaftlicher Leistung und Profilierung dazu führen, Strukturen dauerhaft zu erhalten.
Erste Maßnahmen für eine Hochschulpolitikin der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts
1. Strukturreform: Mit einer Strukturreform müssen zwei Ziele zugleich erreicht werden: Eine langfristig finanzierbare Hochschullandschaft und attraktive Strukturen. Hierzu bedarf es einer Kombination aus behutsamem Rückbau und der Konzentration von Fächern. Kommt es frühzeitig zu einer Reform, können Effizienzrenditen erwirtschaftet und in ein „Hochschulmodernisierungsprogramm 2020“ eingespeist werden.2. Den demografischen Wandel positiv nutzen: Frei werdende Hochschulkapazitäten sollten für eine deutliche Erhöhung der Studienanfängerquote genutzt werden. Ich habe vorgeschlagen, bis 2020 eine Hochschulzugangsberechtigtenquote von 50 % anzustreben. Der demografische Wandel bietet zudem die Chance, den Abschied vom Paradigma der Massenhochschule anzuvisieren, weil insbesondere die Universitäten in Teilbereichen massiv überlastet sind. 3. Das Hamburger Modell: Hamburg sieht für alle Studierenden mit Hauptwohnsitz im Hamburger Raum ein gebührenfreies Studium vor. In Mecklenburg-Vorpommern könnte dann auch weiterhin kostenlos studieren, wer bereit ist, hier seinen Hauptwohnsitz zu nehmen. Hiermit wären derzeit jährliche Einnahmepotenziale von über 20 Millionen Euro verbunden. 4. Studienkonten: Eine Alternative zu Langzeitstudiengebühren sind Studienkontenmodelle, die real abgefragte Lehrleistung abbuchen. Auf diese Weise würden Studierende bei ineffizientem Studierverhalten nicht bestraft, sondern umgekehrt bei effizientem Studierverhalten belohnt. Nicht verbrauchte Stunden könnten so z.B. den Studierenden als Guthaben für kostenlose akademische Weiterbildung in einer Welt des lebenslangen Lernens gutgeschrieben werden.5. Technologietransfer forcieren: Förderprogramme sollten verstärkt im Umfeld von Hochschulen und Wirtschaft platziert werden, um den Technologietransfer zu unterstützen. Wer Mecklenburg-Vorpommern zukunfts- und wettbewerbsfähig entwickeln will, muss auf Technologie und Innovation setzen.
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