Geschrieben von: Hannelore Monegel :
20.04.05
Antrag der Fraktionen der SPD und PDS
Herr Präsident!
Meine Damen und Herren!
Der Antrag auf Drucksache 4/1631
„Geschlechtsspezifische Gesundheitsberichterstattung“ spiegelt die Inhalte einer seit geraumer Zeit intensiv geführten Diskussion wider. Einmal sind es die Ergebnisse
der Landesarbeitsgruppe Mecklenburg-Vorpommern
„Frauengesundheit“ als auch die Erkenntnisse der
Frauengesundheitsberichterstattung anderer Länder.
Insgesamt sind es sieben Bundesländer, die das schon machen. Diese bilden ebenfalls die Grundlage. Ich darf auch daran erinnern, dass bereits die damalige Parlamentarische Staatssekretärin Frau Staszak in der vergangenen
Legislaturperiode diese Gesundheitsberichterstattung mehrfach angemahnt hat. Schauen wir in die Historie, so ist festzustellen, dass die Einsicht in die Notwendigkeit einer geschlechtsspezifischen Berichterstattung erst in den 90er Jahren so weit gewachsen war, dass erste Handlungsdefizite aufgedeckt wurden.
Welche Unterschiede sind augenfällig? Männer und
Frauen definieren zum Beispiel Gesundheit anders. Frauen verbinden Gesundheit eher mit Wohlbefinden und Körpererleben und Männer mit Abwesenheit von Krankheit und mit Leistungsfähigkeit. Ich höre Zustimmung.
Zudem haben Frauen seltener einen Herzinfarkt als
Männer, sterben aber häufiger daran, Herr Riemann. Frauen sind im Allgemeinen gesundheitsbewusster als Männer. Frauen verhalten sich im Haushalt, bei der Arbeit und
im Straßenverkehr weniger riskant. Sie werden medizinisch anders behandelt als Männer, denn sie müssen häufiger zum Arzt gehen, bevor ihre Symptome ernst genommen werden. Es hat sich auch herausgestellt, dass Ärztinnen und Ärzte bei Frauen schneller Depressionen diagnostizieren und von daher bekommen Frauen auch schneller Beruhigungsmittel und Schmerzmittel verabreicht
als Männer.
Diese Aufzählung, meine Damen und Herren, ließe sich fortsetzen. Fakt ist, dass verbesserte Lebensbedingungen außerdem dazu geführt haben, dass Frauen und Männer älter werden. Am Anfang dieses Jahrhunderts wurden Frauen im Durchschnitt 48 Jahre alt, heute 81. Damit leben sie im Durchschnitt ungefähr 6 Jahre länger als Männer. Ich
denke, diese Beispiele machen schon klar, auf diese
Unterschiede muss sowohl die Vorsorge als auch die
Gesundheitsversorgung adäquat reagieren können. Deshalb ist es das Ziel der geschlechtsspezifischen Gesundheitsberichterstattung, die Auswirkungen unterschiedlicher Lebenssituationen von Frauen und Männern unter Beachtung der speziellen Spezifika der Geschlechter auf Gesundheit und Krankheit zu analysieren. Aber dazu müssen
diese Daten auch durchgängig erhoben werden.
Auf der Grundlage so einer soliden geschlechtsspezifischen Gesundheitsberichterstattung lassen sich Defizite
besser erkennen. Es können Bewertungen vorgenommen, Handlungsnotwendigkeiten erkannt und natürlich auch geschlechtsspezifische Lösungsstrategien entwickelt werden, die in einer verbesserten Gesundheitsversorgung Eingang finden könnten. Gleichzeitig, denke ich, dient dieser Ansatz der Entwicklung der Gesundheitswirtschaft
allgemein in unserem Land, und deswegen bitte ich
Sie, diesem Antrag zuzustimmen. – Danke schön.
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