Vogelgrippe in Mecklenburg-Vorpommern – Konsequenzen für zukünftiges Handeln
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Sehr geehrte Frau Präsidentin!
Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, möchte ich sagen, wenn ich den zweiten Teil zum Thema der heutigen Aktuellen Stunde sehe. Über Konsequenzen für das zukünftige Handeln wollen wir reden. Das finde ich richtig. Ich meine, dass es dafür höchste Zeit ist. Allzu viel ist schon geredet und zerredet worden. Statt seriöser Berichterstattung mit fachlich gesicherten Recherchen fand man oftmals nur Radaupolemik in Presse, Funk und Fernsehen.
Wenn einem Land geschadet worden ist, dann kann
man das wirklich sagen. Mecklenburg-Vorpommern hat Schaden genommen. Seuchenzüge hat es immer gegeben, auch Maßnahmen, um damit fertig zu werden. Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern mit Brucellose, Leukose, Schweinepest, MKS, BSE zu tun gehabt und den Seuchenschutz für diese Seuchen auch in den Griff bekommen. Neu ist heute, dass es sich dieses Mal nicht um Bodentruppen, sondern um einen Luftangriff von Wildgeflügel handelt. Kollege Brick hat dieses auf der Sondersitzung des Landwirtschaftsausschusses treffend formuliert. „Immerhin ist der Ausbruch der Tierseuche …“ bei den Wildvögeln „sofort erkannt worden. Und schnell ist dort auch reagiert worden.“ Das schrieb die „Frankfurter Allgemeine“ am 20.02. dieses Jahres.
Weiter heißt es in diesem bemerkenswert sachlichen Artikel: „Aber die Bilder von den toten Schwänen, aufgenommen an der Wittower Fähre, haben eine fast panische Stimmung hervorgerufen, und zwar bis in Bundestag und Bundesregierung hinein.“ Die Rüganer haben trotz enger Kooperation mit den Behörden staunend zur Kenntnis nehmen müssen, dass ihre Lebenserfahrungen und ihr Wissen vor Ort oftmals nicht gefragt waren und sogar teilweise lächerlich gemacht wurden. Die Rüganer Verwaltung hatte gewisse Defizite zugelassen, aber sie bundesweit als Trottel hinzustellen ist letztendlich unzutreffend und beschämend.
Ein Wildvogelmonitoring gibt es entsprechend der EUVerordnung in Mecklenburg-Vorpommern bereits seit 2002. Damals fielen 30 vergiftete Kraniche tot vom Himmel. Parallel dazu gab es die Geflügelpest in Holland. In diesem Zeitraum ist der Erlass zur behördlichen Koordinierung der Zusammenarbeit bei Früherkennung aller Arten von Tierseuchen entstanden. Geregelt wird hier besonders die Rolle des Amtstierarztes bei der Probenahme und Weiterleitung zum Test. Dieser Erlass gilt wohlgemerkt für seuchenfreie Friedenszeiten.
Diesen Erlass jetzt mit dem aktuellen Geschehen in Verbindung zu bringen und daraus Schwachstellen abzuleiten, wie Sie, Frau Holznagel, in Ihrer Pressemitteilung das am 1. März taten, zeugt von nicht einwandfreier Recherche. Eine Nachfrage beim Landwirtschaftsministerium hätte Sie aufklären können.
Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass durch das
Landwirtschaftsministerium mit hoher Verantwortung und vorausschauend auf die sich anbahnende Tierseuche bei Wildvögeln gehandelt worden ist, auch wenn es anfangs geholpert hat.
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Allen, die nicht in der Verantwortung stehen, fällt es besonders leicht, darüber zu urteilen. Es geht jetzt darum, einen kühlen Kopf zu bewahren und die eingeleiteten Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.
Mit dem aggressiven Virus wird man weltweit noch über einen längeren Zeitraum leben müssen. Der Virus ist allerdings auch nach den aktuellen Mitteilungen nicht in derLage, sich in großen Mengen schlagartig zu vermehren und auf den Menschen überzuspringen. Auch hier sollte keine Panik entstehen. Der Gefahr der Ausbreitung und Übertragung kann begegnet werden, und zwar durch konsequenten Seuchenschutz in den Geflügel haltenden Betrieben, unabhängig von ihren Größen und der Tierzahl.
Dazu gehören aktive Seuchenwannen beziehungsweise Desinfektionsmatten, Hygienebekleidung, die Einhaltung des Stallbetretungsverbotes von Unbefugten. Personen,
die aus der Praxis kommen, wissen, dass das alles keine neuen Dinge sind, aber wenn man sie konsequent durchführt, kann man damit vieles verhindern. Die eventuelle Keulung von Millionen von gesundem Geflügel ist ethisch nicht zu vertreten, an vorbeugenden Behandlungen muss verstärkt gearbeitet werden, und zwar EU-weit. Ganz neu ist auch wieder zu überlegen, wie man mit der Freihaltung von Geflügel umzugehen hat.
Sehr geehrte Abgeordnete, der Schutz des Menschen bedeutet in erster Linie Schutz der Tierbestände. Dazu gehört Aufklärung, den Anordnungen zu folgen und diese durchzusetzen, und zwar ohne Polemik, ohne ständig zu jammern nach dem Motto: Was wäre wenn gewesen? Von den Helfern ist mit großer Einsatzbereitschaft gehandelt worden. Auch das sollte an dieser Stelle deutlich gesagt werden.
In Nordvorpommern haben sich zum Beispiel sofort
nach Ausrufen des Katastrophenfalles 180 Personen, 1- Euro-Jobber und Menschen in ABM, zur Hilfe bereit erklärt. Auch diesen gilt unser Dank. – Danke.
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